Kryptowährung in der Praxis

Wir als Stunden der ZHAW haben uns selbst auf die Entdeckungsreise gemacht und eine Kryptowährung gekauft und untereinander getauscht. Es ist für uns im wahrsten Sinne des Wortes eine Entdeckungsreise, da es nicht nur für uns Neuland ist bzw. es noch nicht so ausgeprägt und sortiert ist wie ein Browser oder das Internet an sich. Genauso haben sich wahrscheinlich auch die ersten Personen gefühlt, die das World Wide Web zum entdeckten: man begibt sich auf eine spannende Reise ins Ungewisse, bei der es sich jedoch lohnt, hinaus in die Welt zu gehen und zu entdecken, was die Zukunft für uns bereithält. Die Erfahrungen, die wir dabei sammeln konnten, möchten wir im nachfolgenden Kapitel gerne teilen, damit die Reise für die nächsten Entdecker einfacher wird. In diesem Abschnitt steht das kollektive «wir» als Referenz für diejenigen, die die vorliegende Arbeit für den Master Wirtschaftsinformatik bei der ZHAW schreiben, das kollektive «sie» hingegen steht für den Leser.

Es ist spannend und interessant die Blockchain Technologie an sich zu verstehen. Doch hilft einem dies in der Praxis genauso wenig, wie wenn man den theoretischen Ablauf einer Transaktion eines Bankkontos versteht. Was man wissen muss ist, wie man ein Bankkonto eröffnet, verwaltet und Transaktionen in Auftrag geben kann. Es gibt wie bei einem traditionellen Bankkonto viele Aspekte, die man bei der Kryptowährung beachten muss. Es gibt so viele Arten und Wege, wie man mit der Kryptowährung umgehen kann, und noch mehr Meinungen darüber. Man muss sich bereits im Vorfeld darüber bewusst sein, dass dies nicht nur Neuland für uns als Benutzer ist, sondern auch für die Technologie selbst ist. Dies ist vor allem in der Benutzerunfreundlichkeit und Intransparenz zu spüren. Diese Technologie steht in der Anfangsphase. Betrachtet man die Sache jedoch von der anderen Seite, so kann das Feld der Kryptowährung sehr spannend sein, da man von Anfang an mitbekommt, wie die Technologie funktioniert und sich entwickelt. Man hat die Chance, selbst Hand anzulegen und diese mitzugestalten.

Etwas Wichtiges vorweg: Bei falscher Handhabung der Kryptowährung kann es schnell zum Verlust kommen, der unwiderruflich festgehalten wird. Unsere mit Ihnen hier geteilten Erfahrungen sind nicht komplett und nur als eine Erste Hilfe für Einsteiger gedacht. Für selbst Handelnde von Kryptowährungen muss der Benutzer selbst für sich noch weitere Informationen einholen, um ein vollständiges Bild über die Risiken und Prozesse zu bekommen. Wir selbst mussten uns auch weit mehr Informationen sammeln, als wir hier aufzeigen können, und kamen selbst in riskante Situation. Unsere Arbeit soll nur einen groben Überblick in das Thema geben und ein erstes Verständnis schaffen.

Aus verschiedensten Gründen haben wir uns von den fast über 600+ Kryptowährungen für Ethereum (ETH) entschieden und somit basiert unsere Beschreibung auf dieser Plattform. Es gibt kleinere Abweichungen von Bitcoin oder anderen Kryptowährungen, jedoch bleibt das Grundprinzip mehr oder weniger bei allen Kryptowährungen das gleiche.

Es gilt drei wichtige Fragen zu beantworten, wenn mit Kryptowährung umgegangen wird.

  1.     Wie bewahre ich meine Kryptowährung sicher auf?
  2.     Wie kaufe ich eine Kryptowährung?
  3.     Wie transferiere ich Kryptowährung von einem Konto zum anderen?

Die Reihenfolge, mit der die Fragen abzuarbeiten sind, ist sehr wichtig. Ein Bankkonto, auf das das Fiatgeld (= herkömmliche Währung wie CHF oder EUR) sicher überwiesen und aufbewahrt werden kann, muss vorhanden sein. Erst wen dies geklärt ist bzw. ein solches Bankkonto besteht, kann der Frage nachgegangen werden, wie man Kryptowährung kauft und transferiert. Wenn dies erledigt ist, dann kann die letzte und wohl einfachste Frage in der Praxis in Angriff genommen werden: eine einfache und schnelle Transferierung der Kryptowährung von A nach B.

Frage 1: Wie Bewahre ich eine Kryptowährung auf?

Ein Wallet, in Deutsch Portemonnaie, wird meist gebraucht, um die Kryptowährungen wie ETH o.ä. aufzubewahren und zu überweisen. Ein Wallet hat viele Ähnlichkeiten mit einem Bankkonto. Es hat eine Wallet Adresse, sprich eine „Kontonummer“, die aus 26-35 alphanumerischen Zeichen besteht, und mit jedem geteilt werden kann. Ebenso wie bei einem Bankkonto kann dadurch auf ein Wallet Geld überwiesen werden. Der grosse Unterschied zu Banken und damit das Attraktive an Blockchain, ist der Private, der es ermöglicht, dass ich keine Bank mehr brauche, um mein Geld sicher aufzubewahren. Ein Privat Key ist geheim und nur der Besitzer eines Wallet ist im Besitz dieser Daten. Solange man diesen Private Key hat, zeigt dies, dass man der Besitzer des Kryptogeldes, das auf der Wallet Adresse angezeigt wird, ist.

Dies ist eigentlich alles, was ein Wallet ausmacht: die Wallet Adresse und der Private Key.

  • Die Wallet Adresse dient als «Bankkontonummer», um darauf Geld zu überweisen, und als «Referenznummer», die in der Blockchain bei einer Transaktion aufgenommen wird und vorweist, dass diese Wallet Adresse eine bestimmte Summe besitzt.
  • Die zweite Komponente ist der Private Key: nur wer diesen hat, kann auch beweisen, dass er der rechtmässige Besitzer der Summe ist, die durch die Wallet Adresse aufgezeigt wird.
  • Eine dritte Komponente, die erst an dieser Stelle erwähnt wird, weil diese nicht immer gebraucht wird, ist ein sicheres selbst generiertes Passwort, der den Private Key nochmals schützt. Somit kann der Private Key nicht einfach gestohlen werden, ausser man kennt das Passwort dafür.

Es gibt so viele verschiedene Wallets, wie es Portemonnaies an einem Chinesischen Markt gibt. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Eine Auflistung und ein Ranking der Wallets finden Sie hier. Nach unserer ersten Erfahrung würden wir die Wallets in 5 Typen aufteilen:

  1. Exchange Wallets: Exodus, Kraken und Coinbase sind Exchanges, die nicht nur ein Wallet sondern auch Exchange Services anbieten, wie zum Beispiel Handel von Fiatgeld zu Kryptowährung oder Kryptowährung untereinander.
  2. Plattform Wallets: Freewallet und BTC Wallet bieten an, das Wallet sicher zu verwalten und offerieren teilweise Kreditkartenzahlungen, um sofort eine Kryptowährung kaufen zu können. Wichtig dabei zu beachten ist, wer den Private Key besitzt und wie dieser sicher verwaltet wird. Es ist davon abzuraten, Private Keys einem Plattform Wallet zu überlassen und diese verwalten zu lassen. Mehr zu diesem Thema wird von uns zu einem späteren Zeitpunkt erklärt.
  3. Plattform Wallets mit Sicherheitsgerät: Diese werden auch als Hardware Wallets bezeichnet. Sie funktionieren wie bei den meisten Bankkonten durch ein Sicherheitsgerät oder Kartenlesegerät, um Zugriff auf das Bankkonto zu bekommen. Bei TrezorB. wird das gleiche Prinzip eingesetzt, um auf einer Plattform eine höchstmögliche Sicherheit zu gewähren, und die Private Keys sicher zu halten.
  4. Cold Storage: Durch MyEtherWallet kann eine neue Wallet Adresse mit einem Private Key generiert werden, der dann offline gespeichert werden kann, wie zum Beispiel auf dem Computer, dem USB-Stick, einer Cloud oder in Papierform. Sie ist komplett unabhängig von jeglicher Plattform, ohne dabei die volle Kontrolle der ETH aufzugeben.
  5. Münzen oder Zertifikate: Dieses Prinzip ist ähnlich wie bei einer Cold Storage, nur mit dem Unterschied, dass der Public Key auf ein Zertifikat oder auf einer Münze aufgezeichnet wird, um diese in einer anderen Form festzuhalten.

Am wichtigsten dabei zu beachten ist, dass der Benutzer die volle Kontrolle über den Private Key behält Es wird davon abgeraten, den Private Key von einer Plattform verwalten zu lassen, da es für Hacker sehr attraktiv ist, eine derartige Plattform anzugreifen und damit die verbundenen «Konten» zu plündern. Dies passiert leider immer wieder: Der bekannteste Fall ist der von Mt. Gox, bei dessen Angriff mehr als $450 Million verschwanden. Einer der wichtigsten Sicherheitsprinzipien von Blockchain ist die Dezentralisierung. Hierbei ist zu sehen, dass die Sicherheit durch das Dezentralisieren gewährleistet wird und nicht durch eine zentrale Plattform Wallet.

Jetzt stellt sich immer noch die Frage, welcher Wallet zu gebrauchen ist. Es kommt drauf an, für was Sie die ETH verwenden möchten. ETH lässt sich nicht so leicht wie Bitcoin als Zahlungsmittel einsetzen, weil es noch nicht so verbreitet ist. ETH wird eher für die Generierung von Smart Contracts eingesetzt. Dafür ist das Ethereum Wallet von Ethereum selbst geeignet. Aber dieses ist noch nicht benutzerfreundlich und wir hatten grosse Mühe damit. Weder das Herunterladen der Blockchain als auch das Reinladen des eigenen Wallets hat nicht funktioniert. Wenn Sie jedoch mit Bitcoin bezahlen oder diese unter Freunden austauschen möchten, reicht eine herkömmliche Wallet Plattform. Bei dieser ist jedoch zu beachten, dass sie die volle Kontrolle vom Private Key behalten und diesen durch ein Passwort schützen. Die sichere Variante dabei wäre die Hardware Wallet, wenn sie bereit sind, das externe Sicherheitsgerät zu kaufen und dieses immer mitzuführen. Auch gibt es die Option, egal ob es sich dabei um Bitcoin oder ETH handelt, die Kryptowährung einfach in Cold Storage aufzubewahren, bis diese wieder aktiv gebraucht wird. Letztere Ist eine der sichersten Optionen, solange Sie Ihren Private Key sicher aufbewahren. Wenn Sie jedoch Interesse daran haben, mit ETH oder anderen Kryptowährungen zu handeln, um damit Geld zu verdienen, lohnt es sich, genauer bei hineinzuschauen. Diese Plattform bietet eine günstige, schnelle und sichere Transaktionsabwicklung zu einem der besten Marktpreise an.

Frage 2: Wie kaufe ich eine Kryptowährung?

Da wir jetzt eine sichere Wallet Option für unsere Bedürfnisse aufgesetzt haben, können wir unsere erste ETH erhalten. Dabei ist die wichtigste Komponente die Wallet Adresse, die bei jeder Transaktionsoption gebraucht wird. Ganz wichtig dabei ist, immer doppelt zu checken, ob die richtige Wallet Adresse angegeben wurde. Um die Fehlerhaftigkeit zu minimieren, wird der QR Code oder meistens ein simples Copy & Paste benutzt.

Bei unserer ersten Transaktion von CHF zu ETH waren 27% des Kaufpreises Transaktionsgebühren. Dies wurde natürlich nicht vorher oder nachher bekannt geben und konnte nur nach der Transaktion selbst ausgerechnet werden. Eine Transparenz unter den Plattformen bezüglich Transaktionskosten existiert leider noch nicht. Dazu kommt noch, dass jede Plattform einen anderen aktuellen Marktpreis der Kryptowährungen angibt. Wir konnten 4 verschiedene Typen von Plattformen feststellen, die wir hier auflisten und näher beschreiben:

  1. Exchange: Wie bereits bei Wallets erklärt ist dies eine Plattform, die nicht nur Wallets, sondern auch Exchange Services zwischen Fiatgeld und Kryptowährung bzw. zwischen den Kryptowährungen selbst anbietet. Transaktionenkosten sind bei diesen Plattformen am tiefsten und variieren zwischen 3% bis 8%. Auch zu beachten ist, dass es in der Schweiz keinen Exchange gibt und somit die CHF in EUR oder USD gewechselt werden müssen. Dies wiederum beinhaltet weitere Gebühren und kann zeitlich lange dauern.
  2. Wallet Plattform: Auch hier gilt das Gleiche wie bei Punkt 1. Bei Freewallet haben wir uns am Anfang die Finger verbrannt und haben eine Transaktionsgebühr von 27% bezahlt. Die anderen Wallets sind auch nicht sonderlich transparent was die Gebühren betrifft. Meist wird eine Kreditkartenoption angeben, um die Kryptowährung zu kaufen und die Wallets damit zu füllen.
  3. Broker: In der Schweiz gibt es Bity als Broker, der via Banktransfer Fiatgelder annimmt, diese in Kryptowährung umwandelt und an die vorgegebene Wallet Adresse weiterleitet. Die Transaktionskosten liegen hierbei bei 5% und die ETH und BTC können via CHF erworben werden, was bei anderen Plattformen meist nicht der Fall ist.
  4. Automaten: Diese werden auch Bitcoin ATM genannt und gibt es in der ganzen Schweiz verteilt. Bei einem Automaten kann Papiergeld verwendet werden, um Bitcoins zu kaufen. Die Automaten sind nur auf Bitcoin ausgerichtet, somit ist ein direkter Kauf von ETH nicht möglich, ausser die gekauften Bitcoins werden im Nachhinein via Exchange in ETH umgewandelt, was leider weitere unbekannte Gebühren beinhaltet. Beim Automaten selbst werden 5% abgezogen, dafür geht es sehr schnell und die Bitcoins werden gleich auf dem designierten Wallet übertragen.

Bei Exchanges ist weiter zu beachten, dass es keine in der Schweiz gibt. Daher muss ein Exchangekonto im Ausland eröffnet werden. Dabei müssen persönlich Daten angeben und bestätigt werden, um überhaupt das Konto benutzen zu können. Des Weiteren kommt dazu, dass sie keine CHF annehmen und somit entweder EUR oder USD auf einem amerikanischen oder europäisches Konto gewechselt und geschickt werden müssen. Dabei geht auch wieder Geld verloren, was meist teuer wird und zeitlich gesehen länger dauern kann.

Nach unserer Erfahrung ist die beste Variante hier in der Schweiz durch Bity. Dabei müssen keine Persönlich Angaben gemacht werden, solange die Transaktion unter 1000 CHF bleibt. Es können ETH oder BTC mit CHF mit 5% Transaktionskosten (inkl. Währungswechselkosten) erworben werden, einer der günstigeren varianten. Bei optimalen Voraussetzungen kann die Transaktion innerhalb paar Stunden durchgeführt werden.

Frage 3: Wie transferiere ich Kryptowährung?

Dies ist der einfachste Teil und es ist schon fast selbstverständlich, wenn man selbst ein Wallet hat und darin herumstöbert. Dies ist meist die Hauptfunktion jedes Wallets und das einzige, was dafür gebraucht wird, ist die Wallet Adresse (Abb. 1). Entweder wird eine ETH gesendet oder empfangen. Beim Senden braucht man vom Empfänger die Wallet Adresse, die via eines QR Codes, der vom Sender eingelesen werden kann, übermittelt wird oder der Empfänger schickt dem Sender einfach seine Wallet Adresse via Email oder Messanger (Abb. 2). Sobald der Sender diese eingelesen hat, muss er nur noch einen beliebigen ETH Betrag zur Überweisung eingeben (Abb. 3). Wenn die ETHs versandt wurden, vergehen ein paar Minuten, bis der Empfänger diese erhält. Dabei werden Transaktionsgebühren verrechnet und abgezogen. Bei ETH sind diese 4 Rappen und werden auch als Gas Price bezeichnet. Bei Bitcoin hingegen werden diese immer teurer und bewegen sich zwischen $0.30 und $1.00 per Transaktion.

Abb. 1: Wallet Adresse
Abb. 2: QR-Code
Abb. 3: Mengeneingabe